Freie Lehrstellen weiterhin unbesetzt

Fachkräftemangel im Handwerk

7. September 2017

Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, ihre freien Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Denn Angebot und Nachfrage passen häufig nicht zusammen.

Handwerk sucht Nachwuchs

Trotz 142.000 abgeschlossener Ausbildungsverträge im Jahr 2016 besteht der Fachkräftemangel im Handwerk weiter fort. Dort bleiben laut Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer 14.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Der Anteil an immer noch freien Lehrstellen beträgt damit 9,4 Prozent und liegt über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft von acht Prozent. Besonders betroffen sind Klein- und Kleinstbetriebe. Die Ausbildungsstellen bleiben zum Teil mehrere Jahre offen und fließen so stetig in die Statistik der nicht besetzten Lehrstellen ein. Im Saarland ist der Anteil neu abgeschlossener Ausbildungsverträge beispielsweise im Vorjahresvergleich um 2,8 Prozent gesunken – in Schleswig-Holstein um 1,8 Prozent. Dies geht aus dem Berufsbildungsbericht 2017 des Bundesbildungsministeriums hervor.

Passungsproblem zwischen Unternehmen und Schulabgängern

Nicht alle Jugendlichen können von der aktuell guten Arbeitsmarktsituation profitieren. Das Angebot an Ausbildungsplätzen und die Nachfrage danach passen häufig nicht zusammen. Unternehmen nennen als Gründe für die niedrige Ausbildungsbeteiligung einen Nachwuchskräftemangel, ungeeignete Bewerber sowie zu wenige beziehungsweise gar keine Bewerbungen. Infolgedessen gibt es in Deutschland insgesamt über 43.000 freie Lehrstellen. Zeitgleich finden 20.600 Bewerber keinen Ausbildungsplatz. Diese Passungsprobleme stellen eine Herausforderung für die Wirtschaft aber auch die Schulen dar. Die frühzeitige Berufsorientierung in den Schulen soll bei Schülern das Interesse für eine duale Ausbildung wecken und sie darauf vorbereiten.

Chancen für Leistungsschwächere und Flüchtlinge

Hauptschüler, Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund will der Staat zukünftig stärker unterstützen. Sie sollen dadurch in der Lage sein, freie Ausbildungsplätze langfristig zu besetzen. Immerhin haben 43,4 Prozent der neuen Auszubildenden im Handwerk einen Hauptschulabschluss. Vor allem Flüchtlinge sollen die wachsende Ausbildungslücke verkleinern. Derzeit befinden sich viele in Schulen und Vorbereitungskursen, um sich auch nachhaltig in das Berufsleben integrieren zu können. Qualifizierte Flüchtlinge mit ausreichenden Vorkenntnissen sollen in den kommenden Jahren bis zu 10.000 Ausbildungsplätze im Handwerk erhalten.

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