Steuererklärung als Student: Lohnt sich das?

Jeder Student sollte eine Steuererklärung abgeben

23. Mai 2019

Studenten jobben häufig in Aushilfsjobs mit niedrigem Stundenlohn, zahlen keine Steuern und bekommen deswegen auch keine zurückerstattet. Soweit das Klischee. Doch auch für Studenten mit unregelmäßigem oder sogar gar keinem Einkommen kann sich die freiwillige Abgabe einer Steuererklärung lohnen.

Zweitausbildung: Werbungskosten später erstatten lassen

Studenten können eine freiwillige Steuererklärung abgeben. Wenn sie sich nicht im Erststudium befinden, sondern eine Zweitausbildung wie einen Master, eine Promotion o. ä. absolvieren, lohnt sich die Abgabe auch, wenn sie noch keine eigenen Einnahmen haben. In diesem Fall können Ausgaben, die aufgrund des Studiums anfallen, über einen Verlustvortrag in späteren Jahren geltend gemacht werden. Die sogenannten Werbungskosten werden dann mit dem Gehalt verrechnet.

Ohne Einnahmen keine Rückerstattung im Erststudium

Bei Studenten im Erststudium sieht die Sache anders aus: Sie können zwar Kosten, die aufgrund ihres Erststudiums anfallen, auch absetzen, allerdings behandelt das Finanzamt diese Kosten in der Erstausbildung als sogenannte Sonderausgaben. Im Vergleich zu den Werbungskosten macht dies einen großen Unterschied. Denn Sonderausgaben sind auf 6.000 Euro jährlich gedeckelt und mindern nur den Steuerbetrag in dem Jahr, in dem sie gezahlt wurden. Ein rückwirkender Verlustvortrag wie bei den Werbungskosten ist nicht möglich. Wenn Studenten im Jahr ihrer Ausgaben also keine steuerpflichtigen Einnahmen haben, erhalten sie auch keine Steuererstattung.

Verfassungsgericht entscheidet über Werbungskosten im Erststudium

Wegen dieser Ungleichbehandlung von Studenten im Erst- und im Zweitstudium läuft ein Verfahren am Bundesverfassungsgericht, das 2019 entschieden werden soll. Es geht dabei um die Frage, ob die Kosten im Erststudium auch als Werbungskosten und nicht nur als Sonderausgaben abgesetzt werden dürfen, was für die Studenten günstiger wäre. Studenten im Erststudium sollten deswegen eine Steuererklärung abgeben und nicht nur die unproblematischen Sonderausgaben, sondern auch Werbungskosten geltend machen. Dazu müssen sie in der Steuererklärung den Punkt "Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags" ankreuzen. So besteht die Chance, dass sie nach einer möglichen positiven Entscheidung des Gerichts als Berufsanfänger eine Steuergutschrift erhalten.

Diese Ausgaben rechnet das Finanzamt an

  • Studiengebühren,
  • Zinsen für einen Studienkredit,
  • Semesterbeiträge,
  • Semesterticket und Fahrten zur Hochschule und zu Lerngemeinschaften,
  • Arbeitsmittel wie Fachbücher, Büromaterial, Notebook oder Arbeitskleidung,
  • Umzug, Zweitwohnung, Auslandssemester, Praktika, Exkursionen und Versicherungen sowie Telekommunikationskosten etc.


Für viele Aufwendungen gelten Pauschalen. Das heißt, es müssen keine Belege eingereicht werden. Um sie auf Nachfrage vorlegen zu können, sollten Sie Quittungen jedoch trotzdem sammeln. Bei größeren Ausgaben ist es ratsam, die Quittung mindestens sieben Jahre lang aufzubewahren, denn diese Ausgaben setzen Sie über mehrere Jahre ab.

Lohnsteuer kann erstattet werden

Sobald Sie in Ihrem Studentenjob Steuern zahlen, können Sie sich einen Teil davon vom Finanzamt zurückholen. Das Finanzamt fordert eine Steuererklärung von Studenten in diesen Fällen:

  • Einkünfte ab 10.500 Euro aus selbstständiger Arbeit, Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünfte,
  • Beschäftigung bei mehr als einem Arbeitgeber,
  • Steuerfreibeträge in der Lohnsteuerkarte.
 

Die Mühe lohnt sich

Es kann sich also auszahlen, wenn Sie sich während des Studiums mit Ihrer Steuererklärung beschäftigen – unabhängig davon, ob Sie nebenher arbeiten oder nicht. Wenn Ihr Studium mit hohen Ausgaben verbunden ist, dann können Sie sich als Absolvent eventuell über ein erstes Berufsjahr mit deutlich weniger Steuern freuen.

Hinweis auf Beratung: Dieser Artikel gibt nur Anregungen sowie kurze Hinweise und erhebt damit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen können eine persönliche Beratung durch einen Steuerberater, Steuerbevollmächtigten, Rechtsanwalt (insbesondere Fachanwalt für Steuerrecht), Wirtschaftsprüfer oder einen Lohnsteuerhilfeverein nicht ersetzen.

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